Die Geschichte des Schuhs oder wie der Schuh laufen lernte

Schuhmacher im Mittelalter

Es gibt flache, hohe, bunte, extravagante, ausgefallene und natürlich verrückte Varianten des Schuhs. Jegliche Modelle für alle möglichen Geschmäcker. Schuhe haben schon längst nicht mehr nur die Funktion unsere Füße zu schützen. Modisch und ausgefallen sollen sie heutzutage sein. So wundert sich Niemand mehr, dass Models mit 30 Zentimeter hohen Absatzschuhen den Laufsteg entlang schreiten. Aber woher der Schuh eigentlich kommt, weiß keiner genau.

Schon vor Tausenden von Jahren schützten Menschen ihre Füße mit ein paar Lappen vor Hitze, Kälte und Nasse. Felsmalereien aus der Zeit 1200 v. Chr. zeigen Menschen mit schuhähnlichen Stiefeln aus Tierhaut und Fell. Einige Zeit später kamen dann die wohl älteste erhaltene Art der Fußbekleidung: die Sandale. Damit wurde eine der einfachsten Basisformen des Schuhs erfunden und ist auch bis heute ein beliebter Sommerschuh. Designer aus aller Welt lassen sich für die Sandalen im Azteken-Stil immer wieder von den Schuhen aus dem antiken Griechenland inspirieren.

So blieb der Schuh viele Jahrhunderte unverändert bis schließlich verschiedene und neue Abwandlungen der Grundformen beliebt wurden. Im vierten Jahrhundert kamen aus dem Orient die Stiefel. Dann folgte im Siebten der Riemenschuh: Die Zwischenform aus Sandale und Schuh.

Ab 500 vor Christus kam schließlich der Bundschuh in Mode. Besonders beliebt war der Lederschuh, der mit einem langen Riemen gebunden wurde, bei den Germanen. Der Schnürschuh hat angefangen in der Frühgeschichte über das Mittelalter bis heute eine so lange Evolution hinter sich wie kein anderer Schuh.

Einen großen modischen Aspekt hatten die Treter erstmals im Mittelalter (800-1500 nach Christus). So kamen mit dem Wendeschuh die ersten modischen Einflüsse. Der Name Wendeschuh lässt sich von der Schuhentwicklung ableiten: Zunächst wurde er auf links genäht und anschließend gewendet. Ab dem 12. Jahrhundert gab es Modelle in den verschiedensten Variationen. Die Schnitte variierten von runden Formen bis hin zu den bekannten Mittelalterschuhen mit der extravaganten Spitze.

Im 14. Jahrhundert kam der Schnabelschuh in Mode. Mit seiner charakteristischen spitz nach oben zulaufenden Form machte der Schuh eine direkte Aussage über den Stand des Trägers. Je länger die Spitze, desto besser war die Person gestellt. Adlige brachten es so auf stolze 60 Zentimeter Schuhspitzenlänge.

Ein Meilenstein für heute war wohl das 17. Jahrhundert mit den ersten Plateauschuhen. Die Schuhe hatten sich schnell aus Spanien nach ganz Europa verbreitet und erreichten in Italien den absoluten Höhepunkt. Mit stolzen 40 Zentimetern wurden die Plateauschuhe in Italien getragen. Da erscheinen die Varianten der Top-Designer auf den heutigen Laufstegen schon gar nicht mehr so hoch. Woher der Absatz genau stammt ist bis heute unklar. Sie könnten dazu gedient haben dem zentimeterhohen Schmutz in den Gassen und auf der Straße nicht ganz so nahe zu sein. Eine andere Inspirationsquelle der Plateauschuhe könnten allerdings auch die Reitstiefel im 13. Jahrhundert gewesen sein. Die Absätze dienten beim Reiten in erster Linie praktischen Gründen. Absätze sollten verhindern, dass der Stiefel aus den Bügeln rutscht.

Im 18. Jahrhundert setzte der französische Hof den Trend in Sachen Schuh. Highlights waren die prunkvollen Edelsteine, teures Brokat und edle Seide auf den Schuhen. Auch heute noch gibt das 18. Jahrhundert mit den opulent besetzten Stoffen und dem edlen Samt immer wieder Anregungen für die neuen Laufsteg-Looks. Ein weiteres Ereignis Anfang des 18. Jahrhunderts war die veränderte Form der Schuhe beider Geschlechter. Beim Herrenschuh bildet die Schnalle den Hauptschmuck. Beim Damenschuh hingegen war die Ferse mit einem Schmuckstück fein verziert. Zudem wurde diesem Jahrhundert zum ersten Mal der Links-Rechts-Unterschied bei der Schuhproduktion berücksichtigt. Um die Schuhe vor Schlamm, Dreck und Matsch zu schützen, gab es Unterschuhe aus Holz. Die Unterschuhe wurden Clogs genannt und sind wohl auch der Ursprung unserer modischen Holz-Varianten.

Dank der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert erleichterten die neuen technischen Erfindungen den Schuhbau ungemein. Mit den Nähmaschinen entstand die erste Schuhindustrie und so setzte 1830 die Massenanfertigung von Schuhen ein. Damit wurden zum ersten Mal Schuhe für einen größeren Teil der Bevölkerung bezahlbar. Im 19. Jahrhundert kamen viele Schuhmodelle auf den Markt, die auch heute noch geläufig sind: Sandalen, Pumps oder Stiefelletten mit Absatz. Die fortschreitende Industrialisierung hatte nicht nur Auswirkungen auf das Arbeiterleben. Auch die Mode wurde grundlegend beeinflusst. Zum ersten Mal gab es eine deutliche Geschlechtertrennung. Der geschnürte Herrenhalbstiefel war ein besonders beliebtes Modell, die bevorzugt von Dandies getragen wurden. Während arbeitende Männer praktische Schuhe trugen, waren die weiblichen Schuhmodelle ausgefallener, unbequemer und phantasievoller.

Das 20. Jahrhundert war ebenfalls von den technischen Fortschritten geprägt. Die Schuhe wurden durch dünneres Leder bequemer und konnten sogar eingefärbt werden. Dadurch entwickelten sich neue Stile und Formen. So wurde das Bedürfnis nach individueller Selbstdarstellung in Europa größer, während in anderen Ländern der Schuh mit einer zeremoniellen Funktion verknüpft blieb. Bei Damenschuhen waren Anfang des 20. Jahrhunderts Knöpfstiefeletten beliebt. Die Schuhe wurden mit Stickereien, Perlen und Schleifen verziert. Wie auch heute gab es damals zu jeder Gelegenheit das passende Schuhwerk. In den 50er und 60er war der College-Schuh besonders gefragt. Nachdem in England und den USA die ersten Sportschuhfabriken entstanden, würde auch zeitnah um 1920 Addas, das heutige Adidas, gegründet. Damit war die Grundlage des beliebten Sneakers gesetzt. Der Sneaker erlebte in den 60ern und 80ern seine große Blütezeit und ist bis heute nicht aus den Schuhschränken wegzudenken. Ein weiterer Trend entwickelte sich Ende der 70er mit den Plateauschuhen. Aus jedem nur erdenklichen Material wurden die Schuhe gefertigt. Ob knallige Farben oder glitzernde Materialien – alles war erlaubt! Oft waren die neuen Stile geprägt von der damaligen Musiksszene wie der Plateauschuh mit dem Aufkommen der Discowelle. Und nicht nur Frauen wurden so um einige Zentimeter größer. In den achtziger Jahren existierten viele verschiedene Modeströmungen nebeneinander: Schickes und schlichtes Design, wilden Punk oder im Zuge der Ökobewegung die klassischen Birkenstock-Sandalen. Der ewige Klassiker stellte in diesen Jahren einen Höhepunkt in der grünen Lebensäußerung dar. Wer zu den wilden Punks gehörte, dem durften natürlich die robusten Dr. Martens nicht fehlen. Ein absoluter Trendsetter in den 90ern war schlichthin der Nike Air Max. Wer heute in die Schaufenster schaut, der sieht den klassischen Turnschuh wieder in den Regalen liegen. Der Nike-Sneaker ist gerade so angesagt wie nie. Zur lässigen Jeans, zum Minirock oder zur engen Röhrenjeans der Schuh erlebt nach zwanzig Jahren sein absolutes Revival.

Die Frauenschuhe des 20. Jahrhunderts sind ohne Zweifel die Pumps gewesen. Die weiblichen Schuhe gibt es bis heute in den verschiedensten Materialien, Formen und Absätzen. 1936 erfand der italienische Schuhdesigner Ferragamo den hohen ausgehöhlten Keilabsatz, 1955 kam dann ebenfalls aus Italien der dünne Pfennigabsatz. Bis heute gibt es unzählige Varianten des Pumps und gilt weiterhin als das absolute Must-Have in Sachen Damenschuh.

Dank der langen Geschichte des Schuhs haben wir heute die Qual der Wahl. Designer entwerfen unzählige Varianten und lassen sich immer wieder von den historischen Tretern inspirieren. Ob hohe Wedges, Overknee-Stiefel in Schlangenleder oder klassische Sneaker – wir dürfen uns ständig auf ausgefallene Modelle freuen! So wird die Geschichte des Schuhs noch einen langen Weg mit sich tragen.